Bittere Heimniederlage nach Sechs-Tore-Führung – B-Jugend verliert Krimi gegen den VfB Bischofswerda

Stefan

Bittere Heimniederlage nach Sechs-Tore-Führung – B-Jugend verliert Krimi gegen den VfB Bischofswerda

Mit viel Rückenwind aus dem Auswärtssieg in Leipzig empfingen unsere Mädels den VfB Bischofswerda in der Silberstromhalle. Das Ziel war klar, mit Kampf und Wille eine Überraschung schaffen – in der Realität war die Vorbereitung jedoch alles andere als optimal: Schulische Verpflichtungen und eine Sprachreise sorgten einmal mehr dafür, dass über die Woche verteilt nie der komplette Kader gemeinsam trainieren konnte.

Trotz dieser erschwerten Bedingungen war der Fokus klar: In der Abwehr wurden erneut kleine Umstellungen erarbeitet, um mehr Stabilität zu bekommen, im Angriff wollte man mutig und mit viel Bewegung Druck auf die VfB-Defensive ausüben. Bischofswerda kam als offensivstarkes Topteam nach Schneeberg – am Ende entwickelte sich wieder einmal ein intensiv geführter Schlagabtausch auf gutem Regionalliga-Niveau, der für unsere SG jedoch bitter endete. Nach einer Sechs-Tore-Führung Mitte der zweiten Halbzeit mussten wir uns am Ende mit 30:33 (16:17) geschlagen geben.

Erste Halbzeit – früher Rückstand, dann starker Kampf zurück ins Spiel

Die Partie begann nicht optimal für unsere SG. Der Gegner setzte das erste Ausrufezeichen und ging früh mit 0:1 in Führung. Zwar erzielte unsere Rückraumachse kurz darauf den Ausgleich und legte in der 3. Minute zum 2:1 nach, doch die VfB-Mädels blieben eiskalt. Zwei schnelle Treffer, dazu ein sicher verwandelter Siebenmeter – und plötzlich lagen wir mit 3:5 zurück.

Erschwerend kamen frühe Zeitstrafen hinzu: In der 7. Minute erwischte es uns das erste Mal, kurz darauf folgte die nächste Zwei-Minuten-Strafe. Die VfB-Mädels nutzten diese Phase konsequent, zogen auf 8:10 und später auf 11:15 davon. Von Beginn an liefen wir in einer offensiven Deckung auf und nahmen den gewohnt starken Rückraum des Gegners in Manndeckung. Das eröffnete jedoch auf der gegenüberliegenden Rückraumseite die ein oder andere Lücke, die die VfB-Mädels konsequent zu Toren nutzten.

Trotz der schwierigen Ausgangslage gaben unsere Mädels nicht auf. Über beherzte Eins-gegen-Eins-Aktionen, gute Abschlüsse von außen und mehr Konsequenz im Rückzug arbeiteten sie sich Schritt für Schritt zurück. Immer wieder gelang es, durch viel Bewegung im Angriff die Abwehr des VfB zentral zu binden – die Folge: Unsere Außen wurden nach Belieben freigespielt und verwandelten ihre Chancen konsequent.

Beim Stand von 13:15 und 14:16 war der Anschluss wieder da, und zwei wichtige Treffer kurz vor der Pause sorgten dafür, dass wir mit einem 16:17 in die Kabine gingen. Angesichts des Zwischenstands von 11:15, der vielen Unterzahlsituationen und der nicht idealen Trainingswoche, war das ein starkes Comeback – und ein deutliches Zeichen, dass an diesem Tag mehr möglich war.

Zweite Halbzeit – von der Sechs-Tore-Führung zum Einbruch in der Schlussphase

Nach dem Seitenwechsel zeigte unsere SG zunächst ihr vielleicht bestes Gesicht an diesem Tag. Der Start in Hälfte zwei gelang: Defensiv wurde aggressiver und geschlossener gearbeitet, im Angriff fanden unsere Mädels weiterhin gute Lösungen über den Rückraum, die Außen und kluge Stoßbewegungen in die Lücken.

Zwischen der 26. und 38. Minute drehte sich das Spiel komplett zu unseren Gunsten. Aus dem knappen 17:18-Rückstand wurde zunächst der 18:18-Ausgleich, dann eine Führung, die wir Tor um Tor ausbauen konnten. Über Zwischenstände wie 20:18, 23:21 und 25:22 erarbeiteten sich unsere Mädels in der 38. Minute sogar einen komfortablen Sechs-Tore-Vorsprung – beim 28:22 schien alles in Richtung Heimsieg zu laufen, zumal auch unsere Torhüterin in dieser Phase die entscheidenden Parade inne hatte. Die Halle feierte, die Stimmung war großartig, und die Mannschaft belohnte sich für eine starke Phase mit viel Einsatz und Spielfreude.

Bemerkenswert: Weiterhin waren es immer wieder die gut vorbereiteten Anspiele auf unsere Außen, die den Gegner vor große Probleme stellten. Durch konsequente Bewegung ohne Ball und kluges Binden der Abwehr im Zentrum fanden unsere Mädels die freien Räume am Flügel – und nutzten diese konsequent.

Doch in den letzten gut zehn Minuten kippte das Spiel dramatisch. Die VfB-Mädels erhöhten den Druck im Angriff und spielten ihre individuelle Qualität aus. Zwischen der 39. und 45. Minute kamen sie Tor um Tor heran: 28:23, 28:24, 28:25, 28:26 – unsere SG fand in dieser Phase kaum noch Entlastung. Dennoch gelang beim Stand von 29:26 noch einmal ein wichtiger Treffer, der kurzfristig für etwas Luft sorgte.

Dann folgte der endgültige Bruch: Eine weitere Zeitstrafe, einfache Ballverluste und einige unglückliche Entscheidungen von uns brachten den Gegner endgültig ins Rollen. Die VfB-Mädels glichen zunächst zum 29:29 aus, gingen kurz darauf mit 29:30 in Führung und nutzten ihre Erfahrung in der Crunchtime konsequent. Zwar konnten unsere Mädels beim 30:30 noch einmal ausgleichen, doch drei weitere Gegentreffer besiegelten die 30:33-Heimniederlage.

Unterm Strich stand ein 11:2-Lauf für Bischofswerda in der Schlussphase. Eine bittere Bilanz, vor allem, weil die Mannschaft sich zuvor eine so starke Position erarbeitet hatte.

Fazit – Viel Gutes, ein schmerzhafter Lernmoment

Dieses Spiel wird unserer SG in Erinnerung bleiben – positiv wie negativ. Positiv, weil unsere Mädels über weite Strecken gezeigt haben, dass sie mit einem offensivstarken Spitzenteam absolut mithalten und es sogar dominieren können. 30 erzielte Treffer – offensiv war das über weite Phasen sehr ordentlich. Die einstudierten Bewegungen im Angriff, insbesondere das konsequente Binden der Abwehr im Zentrum und die daraus resultierenden freien Würfe über Außen, waren ein klares Zeichen der Weiterentwicklung.

Negativ, weil wir eine Sechs-Tore-Führung gegen einen starken, aber nicht unschlagbaren Gegner aus der Hand gegeben haben. Fünf Zeitstrafen gegen unsere SG, deutlich mehr Siebenmeter für Bischofswerda und die fehlende Ruhe in der Schlussphase haben gezeigt, wie entscheidend Kleinigkeiten auf diesem Niveau sind. Gerade in den letzten zehn Minuten fehlten uns Stabilität im Abwehrverbund, Klarheit im Angriff und die Konsequenz, das Spiel über längere Angriffe und klare Aktionen zu kontrollieren.

Trotz allem: Dieses Spiel ist auch ein Lernmoment. Unsere Mädels haben sich nach dem auf und ab des Saisonstarts und den schwierigen Auftritten in Rödertal und gegen Chemnitz wieder stabilisiert und gezeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Wenn es gelingt, solche Führungen in Zukunft mit mehr Ruhe, weniger Hektik und einer geschlossenen Abwehrleistung nach Hause zu bringen – und wenn wir es schaffen, trotz schulischer Belastungen und eingeschränkter Trainingsmöglichkeiten weiter konsequent zu arbeiten – werden wir solche Spiele nicht nur eng gestalten, sondern auch gewinnen.

Die Niederlage tut weh, gerade weil sie vermeidbar war. Aber sie zeigt auch: Unsere SG ist in dieser Liga absolut konkurrenzfähig. Wenn wir es schaffen, aus solchen Spielen sportlich wie menschlich die richtigen Schlüsse zu ziehen, wird diese Mannschaft nicht nur handballerisch weiter wachsen, sondern auch charakterlich genau das verkörpern, was wir uns alle wünschen: Leidenschaft, Teamgeist – und echte Fairness.

Anmerkung zur Darstellung des Spiels durch den VfB Bischofswerda

„In dieser Auszeit wurde weniger auf das eigene Spiel hingewiesen, vielmehr sollten die Mädels durch eine Unsportlichkeit des Heimtrainers Motivation finden.“

„Somit konnte ein fast verloren geglaubtes Spiel, angespornt durch eine Unsportlichkeit des gegnerischen Trainers, doch noch erfolgreich gestaltet werden.“

Quelle: vfb-bischofswerda.de

Gerade weil uns Fairness, Respekt und ein guter Umgang miteinander – auf und neben dem Feld – wichtig sind, möchten wir eine Darstellung des VfB nicht unkommentiert stehen lassen. Die einzige gelbe Karte wegen unsportlichen Verhaltens in dieser Partie ging nicht an unseren Trainer, sondern an den Trainer des VfB. Nach einer unglücklichen Situation im eigenen Angriff kam es zu einem unabsichtlichen Kopftreffer des Gegners, nach der sich unsere Spielerin direkt entschuldigt hatte – ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung, zumal viele Mädels beider Teams auch außerhalb der Halle freundschaftliche Verbindungen pflegen.

Unser Trainer nutzte die anschließende Unterbrechung, um unsere Mädels zu taktischen Anweisungen zurückzurufen – nicht mehr und nicht weniger. Aus dieser Szene im Nachgang eine Art Heldengeschichte zu stricken, in der eine angebliche Unsportlichkeit des Heimtrainers als Wendepunkt herhalten soll, wird der Realität auf dem Feld nicht gerecht.

Genau diese Art der einseitigen Berichterstattung ist es, die dazu beiträgt, dass der Ruf des VfB-Trainers in vielen Hallen alles andere als der beste ist. Nach außen wird regelmäßig laut und deutlich Fairness eingefordert – im gleichen Atemzug aber werden die eigenen VfB-Mädels bei jeder Gelegenheit dazu angehalten, den Ball liegen zu lassen oder Situationen auszureizen. Moralische Ansprüche an alle anderen auf der einen Seite, eine sehr großzügige Auslegung der eigenen Rolle auf der anderen.

Uns ist wichtig zu betonen: Wir respektieren die sportliche Leistung des VfB Bischofswerda und erkennen an, dass die VfB-Mädels dieses Spiel in der Schlussphase mit Wille und Qualität gewonnen haben. Genauso wichtig ist uns aber, dass die Grenze zwischen berechtigter Freude über einen Sieg und verzerrender Darstellung der Ereignisse gewahrt bleibt.

Zum Schluss noch der Blick nach vorn:

Am Samstag, den 22.11.2025, um 15:00 Uhr, geht es für unsere SG auswärts zum SV Union Halle-Neustadt. Laut Tabelle wartet dort das aktuell heißeste Team der Liga: Halle steht nach 5 Spielen mit 10:0 Punkten ganz oben, während unsere SG mit 4:6 Punkten auf Rang 6 liegt.

Für unsere Mädels heißt das: Nichts zu verschenken, aber auch nichts zu verlieren. Die Favorenrolle liegt klar beim Spitzenreiter, doch gerade nach der starken Leistung gegen Bischofswerda wollen unsere Mädels zeigen, dass man auch in Halle-Neustadt mehr als nur ein Punktelieferant ist. Gelingt es, die kompakte Abwehr und das variable Angriffsspiel über volle 50 Minuten auf die Platte zu bringen, kann dieses Spiel für unsere Mädels der nächste Schritt nach vorn werden.

Statistik
Nummer Name Tore 7-Meter
1 Kothe, Lisa (Tor)
3 Schilhan, Lotta
6 Jahreiß, Ida
7 Zechel, Luisa 3
8 Moosche, Lotta
9 Moosche, Lene 4
11 Bühnemann, Hanna
13 Groh, Venezia 9 1/1
14 Nestler, Nele
17 Fischer, Lilly 2
19 Hofmann, Mareike 4
20 Borgers, Siri Lucia (Tor)
25 Putzker, Naimi 7
35 Kehrer, Mathilde 1

Das 🔴 Re-Live wie gewohnt auf solidsport.com/svs

Galerie

Danke an o.m.g.a.b für die Bilder. 🙏

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