Pokal-Aus nach einem Abend voller Schockmomente

Stefan

Pokal-Aus nach einem Abend voller Schockmomente

HC Fraureuth – SG Zschorlau/Schneeberg 17:16 (7:9)

Eigentlich wollten wir am Samstagabend in Fraureuth den nächsten Schritt Richtung Pokalfinale gehen. Am Ende stand jedoch nicht nur eine knappe 16:17-Niederlage auf der Anzeigetafel, sondern vor allem ein Spiel, das von gleich mehreren Schockmomenten überschattet wurde und bei dem das Sportliche über weite Strecken in den Hintergrund rückte.

Der erste und wichtigste Schockmoment ereignete sich nach rund 15 Minuten. Unsere Kreisläuferin verletzte sich schwer am linken Arm, das Spiel musste daraufhin für etwa 45 Minuten unterbrochen werden. Ein Rettungsteam und der Notarzt übernahmen die Versorgung, anschließend wurde sie ins Krankenhaus transportiert. An dieser Stelle wünschen wir ihr noch einmal von Herzen alles Gute und eine schnelle Genesung.

Besonders bedanken möchten wir uns außerdem bei Martin Gajdos, der als anwesender Arzt auf der Tribüne sofort Erste Hilfe leistete und die Versorgung direkt unterstützte. Das ist alles andere als selbstverständlich und verdient größten Respekt. Vielen Dank für diesen Einsatz.

1. Halbzeit – defensiv stabil, offensiv zu wenig Lösungen

Sportlich begann die Partie zunächst schwierig. Fraureuth erwischte den besseren Start und ging früh in Führung. Wir brauchten einige Minuten, um uns auf die Intensität und die Spielweise der Gastgeberinnen einzustellen. Mit zunehmender Spielzeit bekamen wir die Partie dann aber besser unter Kontrolle.

Was an diesem Tag zunächst noch am besten funktionierte, war unsere Abwehrleistung. Wir standen in Halbzeit eins über weite Strecken ordentlich, arbeiteten im Verbund und ließen insgesamt nur wenige Gegentore zu. Genau das war auch der Grund, warum wir uns trotz des schwierigen Beginns wieder in die Partie hineinarbeiten konnten.

Im Angriff dagegen fanden wir erneut nur selten gute Lösungen. Uns fehlten Ideen, klare Abläufe und echte Durchschlagskraft. Vieles blieb zu statisch, wir bewegten uns zu wenig ohne Ball und konnten uns dadurch kaum klare Torchancen erarbeiten. Gerade unter den gesamten Umständen des Spiels war zu spüren, dass uns die nötige Freiheit im Kopf fehlte, um unser Angriffsspiel mit der gewohnten Klarheit aufzuziehen.

Trotzdem gelang es uns, die Partie bis zur Pause auf unsere Seite zu ziehen. Mit einer knappen 9:7-Führung gingen wir in die Kabine – ein Ergebnis, das vor allem auf unserer defensiven Stabilität beruhte, offensiv aber noch viel Luft nach oben ließ.

2. Halbzeit – nach der Unterbrechung nicht mehr richtig in die Spur gefunden

Mit Blick auf den weiteren Spielverlauf muss man klar sagen, dass sich der Verletzungsschock deutlich auf unsere Mannschaft ausgewirkt hat. Auch wenn sich die Spielerinnen nach interner Rücksprache mit allen Beteiligten eigenständig und bewusst für die Fortführung des Spiels entschieden hatten, merkte man danach, dass wir nicht mehr richtig in unser eigenes Spiel fanden. Viele Aktionen wirkten gehemmt, die Leichtigkeit fehlte und die Köpfe waren verständlicherweise nicht mehr komplett frei.

Fraureuth ging speziell auf dem Feld hochmotiviert in diese entscheidende Phase und man muss den Spielerinnen des HCF dafür auch Respekt zollen. Kampf, Wille und die Chance auf das Finale wurden von den Gastgeberinnen klar angenommen. In genau diesen Punkten wirkten sie an diesem Tag entschlossener als wir.

Unsere Abwehr blieb zwar auch in Halbzeit zwei noch das stabilste Element unseres Spiels, doch im Angriff fehlte weiterhin nahezu alles, was man gegen einen solchen Gegner braucht: Ideen, Lösungen, Druck und Zielstrebigkeit. Wir kamen zu selten in gute Abschlusspositionen und blieben insgesamt viel zu statisch. So konnten wir aus unseren defensiven Ballgewinnen und guten Phasen offensiv einfach zu wenig machen.

Eigentlich wollten wir die Pokalspiele in dieser Saison auch dafür nutzen, unserem breiten Kader zusätzliche Einsatzzeit zu geben. Alle Spielerinnen sollten sich Minuten holen und ihre Leistungen auf die Platte bringen. Genau das funktionierte an diesem Abend allerdings durch die Bank nicht. Schnell war zu sehen, dass wir nicht mit dem nötigen Einsatz und dem nötigen Willen unterwegs waren. Und genau da liegt ein wesentlicher Punkt: Spiele gewinnt man nicht mit ein, zwei oder drei Personen, Spiele gewinnt man nur als Mannschaft und als geschlossene Einheit.

Letztlich war die Niederlage unglücklich – auch, weil unser letzter Wurf kurz vor der Schlusssirene noch an den Innenpfosten und von dort ins Aus sprang. Trotzdem muss man im Rückblick ehrlich sagen, dass es an diesem Abend vielleicht auch nicht wirklich verdient gewesen wäre, das Spiel noch zu drehen oder zu gewinnen. Mit einer guten Gesamtleistung hätten wir sicherlich mehr erreichen können, aber genau diese Leistung war an diesem Tag unter den gegebenen Umständen eben nicht da.

Ein Abend, der auch neben dem Feld Fragen offenließ

Neben der schweren Verletzung und der langen Unterbrechung wurde der Abend leider auch durch Begleitumstände geprägt, die einem Jugend-Pokalspiel nicht gutgetan haben. Dabei geht es aus unserer Sicht nicht um einzelne Emotionen, die in engen Spielen immer einmal vorkommen können, sondern um das Gesamtbild in Halle, Kommunikation und Umfeld.

So gab es mehrere Situationen, in denen Entscheidungen und deren Vermittlung nur schwer nachvollziehbar wirkten und in ihrer Wirkung durchaus Einfluss auf die Atmosphäre und den weiteren Spielverlauf hatten. Gerade in einem ohnehin emotional belasteten Jugendspiel wären Ruhe, Klarheit und kommunikative Souveränität besonders wichtig gewesen.

Ebenso entstand in einzelnen Momenten der Eindruck, dass an der Seitenlinie und später auch im Zuschauerbereich eine Schärfe im Ton Einzug hielt, die über das hinausging, was man im Jugendhandball erwarten sollte. Wenn nach einer ohnehin belastenden Verletzungssituation von außen zusätzlich Kommentare fallen, die zumindest jedes nötige Maß an Sensibilität vermissen lassen, dann ist eine Grenze erreicht, an der man sich als Verein fragen muss, was junge Spielerinnen in einem solchen Rahmen eigentlich lernen und mitnehmen sollen.

Auffällig war zudem, dass sich die Stimmung innerhalb der Halle nicht nur auf das Spiel selbst beschränkte. Teilweise schien sich das, was an einer Bank vorgelebt oder zumindest zugelassen wurde, auch auf die Tribüne zu übertragen. Solche Dynamiken entstehen selten zufällig. Gerade im Jugendbereich kommt Erwachsenen in verantwortlicher Funktion deshalb eine besondere Rolle zu – nicht nur sportlich, sondern auch in Haltung, Sprache und Vorbildwirkung.

Bestimmte Vorkommnisse rund um Spielleitung, Trainerbank und Tribüne werden wir intern aufarbeiten und an die zuständigen Stellen weitergeben. Für uns gilt im Jugendhandball: sportlicher Wettbewerb ja, persönliche Herabwürdigungen nein. Gerade nach einer langen Spielunterbrechung infolge eines Notarzteinsatzes erwarten wir von allen Beteiligten ein Mindestmaß an Zurückhaltung, Respekt und Verantwortungsbewusstsein – auf dem Feld, auf den Bänken und auf den Rängen.

Fazit – sportlich knapp, insgesamt aber ein gebrauchter Abend

Unterm Strich bleibt ein Abend, der sportlich knapp verloren ging, aber von so vielen negativen Begleitumständen geprägt war, dass das eigentliche Spiel fast in den Hintergrund rückte. Der Verletzungsschock zu Beginn hat uns sichtbar getroffen und letztlich wohl auch entscheidend aus dem Rhythmus gebracht. Trotzdem hätten wir nach der Entscheidung, weiterzuspielen, klarer und zielstrebiger auftreten müssen. Genau das ist uns nicht gelungen.

Dass wir uns dann zusätzlich durch viele Vorgänge innerhalb der Halle weiter negativ beeinflussen ließen, zeigt letztlich auch, wie sensibel und beeinflussbar Jugendliche in diesem Alter eben noch sind. Und genau deshalb muss das Umfeld solcher Spiele stimmen. Jugendhandball soll fair, respektvoll, entwicklungsfördernd und von Freude am Spiel getragen sein. Davon war an diesem Abend zu wenig zu sehen.

Dem HC Fraureuth gratulieren wir natürlich zum Einzug ins Finale des Pokals Südwestsachsen. Die Spielerinnen haben ihre Chance an diesem Abend mit großem Willen angenommen und sich in einem engen Spiel durchgesetzt.

Wir selbst konzentrieren uns nun auf die kommenden Aufgaben in der Mitteldeutschen Regionalliga. Bereits am kommenden Wochenende begrüßen wir einen direkten Konkurrenten um Platz vier in der Silberstrom-Halle: den HBC Wittenberg. Auch dieses Spiel werden wir wie gewohnt live übertragen.

Also schaut gern im Stream rein – oder kommt noch viel besser in die Halle und unterstützt unsere Mannschaft lautstark, fair und sportlich, damit wir wichtige Punkte in der laufenden MHV-Saison holen und Platz vier weiter festigen können.

Statistik

Nr Name Tore 7m-Tore
1Kothe, Lisa (Tor)
3Schilhan, Lotta
7Zechel, Luisa
8Moosche, Lotta
9Moosche, Lene3
10Lorenz, Marleen2
13Groh, Venezia21/2
14Nestler, Nele
17Fischer, Lilly3
18Rosenau, Finnja3
19Hofmann, Mareike1
20Borgers, Siri Lucia (Tor)
25Putzker, Naimi2
35Kehrer, Mathilde

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