Nach dem letzten Spieltag der Saison 2025/2026 hieß es für uns zunächst einmal: abwarten, hoffen und Daumen drücken. Die große Frage stand im Raum: Sachsenoberliga oder Verbandsliga Staffel West? Während wir auf die Entscheidung des Verbandes warteten, bekamen unsere Mädels erst einmal fünf Wochen frei. Fünf Wochen, um Kopf und Körper zu regenerieren – oder anders gesagt: fünf Wochen ohne Trainingsplan, Hallenschuhe und die freundliche Erinnerung des Trainerteams, dass ein Burpee nicht automatisch als Wellnessprogramm durchging.
In dieser Ruhephase erreichten uns schließlich zwei wichtige Nachrichten. Die erste sorgte für große Freude: Wir durften auch in der Saison 2026/2027 in der höchsten Liga Sachsens antreten. Die zweite Nachricht war dann eher Kategorie „Na toll!“: Unsere Heimspielstätte, die Keilbergsporthalle, wurde saniert und stand uns erst nach den Sommerferien wieder zur Verfügung. Also hieß es für uns: Plan B, C und wahrscheinlich auch D aus der Schublade holen.
Testen, laufen, schwitzen
Mitte Mai starteten wir mit vollem Elan in die Vorbereitung. In der Halle standen zunächst verschiedene Leistungstests auf dem Programm. Dabei verglichen wir die aktuellen Werte mit denen aus den vergangenen Jahren. Schließlich wollten wir wissen, ob sich die vielen Trainingsstunden der vergangenen Saison auch irgendwo auf dem Papier bemerkbar machten. Nach dieser ersten Woche mussten wir die Halle allerdings gegen das Dietz-Stadion der Fußballer von Concordia Schneeberg eintauschen. Und damit begann unser sommerliches Wechselspiel zwischen Stadion und Fitnessstudio.
Eine ganz besondere Unterstützung erhielten wir dabei von Robin Pollmer von Pollmer Athletics. Als Personalcoach leitete er unser CrossFit-Training und sorgte dafür, dass unsere Mädels schnell merkten, dass „Fitnessstudio“ nicht automatisch „entspanntes Training mit Musik im Hintergrund“ bedeutete. Auf dem Programm standen zahlreiche typische CrossFit-Übungen, bei denen Kraft, Ausdauer, Koordination und Körperspannung gleichermaßen gefragt waren. Mit der Barbell ging es unter anderem in Back Squats, Front Squats, Deadlifts und Barbell Lunges. Dazu kamen verschiedene Barbell Presses und weitere Übungen, bei denen die Langhantel immer wieder vom Boden bis über den Kopf bewegt werden musste. Auch die Dumbbells kamen ordentlich zum Einsatz. Bei verschiedenen Dumbbell Complexes mussten die Spielerinnen nicht nur Gewicht bewegen, sondern gleichzeitig auf eine saubere Bewegungsausführung und stabile Körperhaltung achten. Gerade die Kombination mehrerer Übungen hintereinander verlangte den Mädels einiges ab. Zwischendurch ging es an den SkiErg und auf das RowErg. Bei den SkiErg Intervals wurde mit kräftigen Zügen gearbeitet, während beim Rowing ordentlich Meter gesammelt wurden. Kraft und Ausdauer wurden dabei immer wieder miteinander verbunden. Natürlich durften auch die Klassiker nicht fehlen: Burpees, Push-ups, Air Squats, Walking Lunges und verschiedene Core Exercises sorgten dafür, dass wirklich jeder Muskel etwas von der Vorbereitung hatte. Das Training war dabei bewusst abwechslungsreich aufgebaut. Mal standen schwere Strength Sets im Mittelpunkt, mal mussten die Spielerinnen in AMRAPs oder in EMOMs möglichst viele Wiederholungen beziehungsweise eine bestimmte Arbeitsleistung absolvieren. So wurde nicht nur die Maximalkraft verbessert, sondern vor allem die für den Handball wichtige Kraftausdauer und Belastungsverträglichkeit trainiert. Insgesamt konnten wir acht Trainingseinheiten im LilaFitness absolvieren. So wechselten wir während der Vorbereitung regelmäßig zwischen Stadion und Fitnessstudio. Im Stadion sammelten wir zahlreiche Kilometer und absolvierten Ausdauereinheiten mit Körpergewichtsübungen, während im Fitnessstudio Barbell, Dumbbells, SkiErg und RowErg auf unsere Spielerinnen warteten. Kurz gesagt: Wir liefen, ruderten, hoben, drückten, zogen und schwitzten uns durch den Sommer. Und spätestens nach einer Einheit mit Robin Pollmer war auch dem letzten Mädel klar: CrossFit war kein Wellnessprogramm – aber verdammt gutes Training.
Zu Beginn standen längere Laufstrecken auf dem Programm, bei denen es vor allem darum ging, eine solide Ausdauerbasis zu schaffen und die Mädels wieder an regelmäßige Belastungen heranzuführen. Kilometer um Kilometer wurde abgespult – mal gemeinsam, mal in unterschiedlichen Tempi und natürlich immer mit dem Ziel, die Laufleistung Stück für Stück zu steigern. Nachdem die ersten Grundlagen gelegt waren, wurde es zunehmend schneller und vor allem handballspezifischer. Die längeren Laufstrecken wichen immer mehr Sprintausdauer-Einheiten. Kurze, intensive Laufstrecken, schnelle Antritte und wechselnde Belastungs- und Erholungsphasen sorgten dafür, dass die Beine nicht nur lange durchhielten, sondern auch dann noch schnell bleiben mussten, wenn die Luft bereits knapp wurde. Schließlich sollte die Vorbereitung nicht darauf hinauslaufen, einen Marathon zu gewinnen, sondern auch in der 58. Spielminute noch einen Sprint zum Gegenstoß hinzubekommen. Ergänzt wurden die Laufeinheiten durch zahlreiche Bodyweight Exercises. Gerade die Kombination aus Laufbelastung und Kraftübungen brachte unsere Mädels ordentlich an ihre Grenzen. Die Beine wurden schwerer, die Kondition besser und aus den anfänglichen längeren Läufen wurden nach und nach immer schnellere und intensivere Einheiten. Der Satz „Das machen wir noch einmal“ entwickelte sich dabei langsam zum gefürchtetsten Satz der Vorbereitung – dicht gefolgt von „Nur noch eine Runde“. Kurz gesagt: Es wurde gelaufen, gesprintet, gesprungen, gedrückt und geschwitzt. Aber genau diese Mischung aus Ausdauer, Sprintausdauer und Kraft sollte später auf dem Handballfeld den Unterschied machen: schnelle Beine in der Abwehr, explosive Antritte im Angriff und genügend Körner, um auch in der Schlussphase noch Vollgas geben zu können.
Endlich wieder Ball – und endlich wieder Klebeball
Nach den Sommerferien konnten wir endlich wieder in unsere frisch sanierte Halle zurückkehren. Eine Sache sorgte allerdings für lange Gesichter: Harz war weiterhin nicht erlaubt. Für unsere Mädels ungefähr so erfreulich wie ein Handballtraining ohne Handball. Nach zwei dosierten Halleneinheiten ging es deshalb zum ersten Turnier nach Ziegelheim. Endlich wieder Handball! Und vor allem: endlich wieder ein Ball in der Hand, der klebt. Die Gegner hießen LSV Ziegelheim, HC Glauchau/Meerane und HBV Jena 90 II. Gespielt wurden jeweils zweimal 15 Minuten. Für uns als Trainerteam standen an diesem Tag allerdings nicht Siege oder perfekter Handball im Vordergrund. Nach vielen Wochen ohne Ball war uns bewusst, dass Passgenauigkeit, Abstimmung und Wurfpräzision noch nicht auf dem gewohnten Niveau lagen. Wir wollten vor allem sehen: Wie schnell waren die Beine? Wie beweglich war die Abwehr? Funktionierte das Umschalten? Und wie schnell fanden unsere Mädels wieder ins gemeinsame Handballspielen? Außerdem gab es eine Premiere: Siri Borges bestritt ihr erstes Turnier im Frauenbereich. Die B-Jugend-Spielerin rückte zu uns auf und bildete gemeinsam mit Maja Wehner unser Torhüterduo. Ihr Einstand hätte dabei kaum eindrucksvoller ausfallen können: Siri bekam im Turnier gleich drei Bälle mitten ins Gesicht. Willkommen im Frauenhandball, Siri!
Im ersten Spiel trafen wir mit dem HC Glauchau/Meerane auf keinen unbekannten Gegner. Über Fehlpässe und Abstimmungsprobleme wollten wir an dieser Stelle lieber nicht zu viele Worte verlieren. Dafür zeigte unsere Abwehr bereits viel Beweglichkeit. Gemeinsam mit guten Torhüterleistungen von Siri und Maja sowie unserer Routine gelang uns am Ende ein verdienter Sieg. Gegen den Gastgeber aus Ziegelheim wurden die Fehler im Angriff bereits weniger. In der Abwehr probierten wir verschiedene Formationen aus und konnten damit einige neue Varianten testen, die uns in der kommenden Saison zusätzliche Möglichkeiten eröffnen sollten. Der Sieg war dabei zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährdet. Im letzten Spiel wartete mit HBV Jena II die vermeintlich stärkste Mannschaft des Turniers auf uns. Immerhin spielte die erste Mannschaft des HBV Jena in der Regionalliga Mitteldeutschland. Doch gerade gegen starke Gegner zeigten unsere Mädels bekanntlich gerne, was wirklich in ihnen steckte. Nach insgesamt 60 Minuten Spielzeit konnten wir feststellen: Es wurde von Spiel zu Spiel besser. Unsere Abwehr stand gemeinsam mit dem Torhüterduo wie eine Bank. Die 1:0-Konter funktionierten, vorne im Angriff ging Torgefahr von allen Positionen aus und Jena geriet zunehmend unter Druck. Am Ende wurden die Jenaerinnen regelrecht überrannt und wir konnten überraschend, aber völlig verdient den Turniersieg feiern. Der erste Turniersieg der Vorbereitung war damit perfekt.
Freitagabend mal anders: Biathlon statt Handball
Am darauffolgenden Wochenende stand unser traditionelles Trainingslager auf dem Programm, denn am Sonntag wartete bereits der Sparkassencup in Zwönitz. Unsere jungen B-Mädels konnten diesmal leider nicht dabei sein, da sie zeitgleich bei einem zweitägigen Turnier in Magdeburg unterwegs waren. Für den Einstieg ins Trainingslager wollten wir deshalb etwas Besonderes machen. Die Idee: Wir spielten Biathlon. Klingt eigentlich ganz einfach: viermal fünf Patronen schießen und zwischendurch ein bisschen laufen. Dass „ein bisschen laufen“ bei uns eine etwas andere Bedeutung hatte, wurde allerdings ziemlich schnell deutlich. Die Laufstrecke durch den Wald war 1,8 Kilometer lang und natürlich nicht gerade flach. Schließlich wohnten wir im Erzgebirge – warum sollte man auch einfach geradeaus laufen, wenn man stattdessen bergauf, bergab und wieder bergauf laufen konnte? Und dann war da noch der Schießstand. Das Gewehr wog rund vier Kilogramm, die Scheiben hatten einen Durchmesser von 11,5 Zentimetern und waren 50 Meter entfernt. Geschossen wurde zweimal im Stehen und zweimal im Liegen. Und natürlich galt die Biathlon-Regel: Wer daneben schoss, durfte eine Strafrunde laufen. Bei uns waren das 200 Meter extra. Das Kampfgericht hatte an diesem Abend jedenfalls alle Hände voll zu tun. Gestartet wurde in Zweierteams und zeitversetzt, damit es am Schießstand nicht zu größeren Menschenansammlungen kam. Die schnellste Zeit des Abends lief Denise mit weniger als einer Stunde. Dahinter folgten Maja und Linda L. Wobei Linda an diesem Abend einen ganz besonderen Rekord aufstellte: 17 Strafrunden! Man könnte also sagen: Linda hatte die Laufstrecke besonders gründlich kennengelernt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war der Abend ein voller Erfolg. Es wurde gelaufen, geschossen, gelacht und natürlich entstanden jede Menge Geschichten, die uns noch eine ganze Weile begleiten würden. Besonders bemerkenswert war, dass einige Spielerinnen offenbar sogar unterwegs Zeit fanden, sich beim Laufen mit Pferden zu unterhalten. Ein großer Dank galt an diesem Abend dem Schützenverein Bockau, der uns seine Anlage zur Verfügung stellte und uns überhaupt erst diesen etwas anderen Trainingsabend ermöglichte. Nach den sportlichen Strapazen wurden wir anschließend sogar noch bestens verköstigt. Damit war für alles gesorgt: geschossen, gelaufen, gelacht und am Ende auch noch ordentlich gegessen. Besser konnte ein Trainingslager kaum beginnen.
Matten, Pilates und die Erkenntnis, dass Muskeln existierten
Am nächsten Morgen ging es früh in der Halle weiter. Nach einem kurzen, aber intensiven Aufwärmblock à la CrossFit beschäftigten wir uns zunächst mit den Matten. Denn eines war uns im Trainerteam besonders wichtig: Der Spaß durfte nie zu kurz kommen. Nach dem anstrengenden Teil widmeten wir uns neuen Auslösehandlungen. Nach einer kurzen Pause durften sich die Mädels dann erneut mit den Matten beschäftigen. Diesmal allerdings unter professioneller Anleitung von Peggy Rössel, staatlich geprüfter Gymnastiklehrerin. Auf dem Programm stand Pilates. Zwischen Atemübungen, Muskelanspannungen und Dehnungen entdeckten unsere Spielerinnen dabei Muskeln, von deren Existenz sie vorher offensichtlich nichts gewusst hatten. Nach dieser eher besinnlichen Sporteinheit durften sich die Mädels ausruhen. Denn am nächsten Tag wartete bereits der nächste Höhepunkt: der Sparkassencup in Zwönitz.
Zweites Turnier – zweiter Turniersieg
Mit einem kleinen Kader von neun Feldspielerinnen und Maja Wehner im Tor reisten wir nach Zwönitz. Dort warteten mit Plauen-Oberlosa, HC Glauchau/Meerane, den Görlis II und dem Gastgeber Zwönitzer HSV bekannte Gegner auf uns. Gleich im ersten Spiel ging es gegen den Absteiger aus der Sachsenoberliga, Plauen-Oberlosa. Vielleicht steckte das Trainingslager noch etwas zu sehr in den Knochen. Das Spiel war geprägt von Fehlern, schweren Beinen und Müdigkeit in nahezu allen Bereichen. Trotzdem gelang uns ein souveräner 17:12-Erfolg. Nach zwei Spielen Pause wartete anschließend mit den Görlis II der stärkste Gegner des Tages. Obwohl es „nur“ die zweite Mannschaft war, standen dort zahlreiche junge Spielerinnen auf dem Feld, die regelmäßig auch in der ersten Mannschaft im MHV aufliefen. Und wie so oft galt bei uns: Je stärker der Gegner, desto besser spielten wir. Unsere 5:1-Abwehr mit der jüngsten Spielerin Finnja Rosenau auf der Spitze und der ältesten Spielerin Denise dahinter funktionierte nahezu perfekt. Und wenn doch einmal ein Ball durchkam, stand dahinter immer noch Maja. Im Angriff übernahm Celine clever die Regie und gemeinsam fanden wir immer wieder Lösungen gegen die gegnerische 5:1-Abwehr. Am Ende stand ein 19:16-Sieg auf der Anzeigetafel. In den beiden weiteren Spielen gegen Glauchau/Meerane und den Gastgeber aus Zwönitz nutzten wir die Möglichkeit, verschiedene Abwehr- und Angriffsvarianten auszuprobieren. Nicht alles sah dabei bereits so aus, wie wir es uns wünschten – aber genau dafür waren Vorbereitungsturniere schließlich da. Beide Spiele konnten wir dennoch deutlich gewinnen: 17:14 gegen Glauchau/Meerane und 19:11 gegen Zwönitz. Am Ende standen 72 eigene Treffer und nur 53 Gegentore auf dem Konto. Doch nicht nur der zweite Turniersieg konnte gefeiert werden. Wir stellten auch die beste Torhüterin mit Maja Wehner und die beste Spielerin mit Celine Kister. Nach drei intensiven Trainingstagen waren unsere Mädels entsprechend platt. Aber mindestens genauso wichtig: Sie waren glücklich und ein wenig stolz auf sich.
Und jetzt wird es ernst
Zwei Turniere, zwei Turniersiege, jede Menge Trainingskilometer, Burpees, Liegestütze, Kniebeugen, CrossFit, Pilates, Strafrunden und vermutlich einige Muskelgruppen, die sich inzwischen offiziell beschwert hatten. Die Vorbereitung hatte damit einen gelungenen Abschluss gefunden. Wir hatten geschwitzt, gelacht, getestet, ausprobiert und vor allem wieder richtig Lust auf Handball bekommen. Und nun wartete die erste richtige Herausforderung der neuen Saison.
Am Wochenende gastierte Bischofswerda in unserer neu renovierten Turnhalle. Das Duell war in der vergangenen Saison völlig ausgeglichen gewesen und mit 2:2 Punkten geendet. Beide Mannschaften hatten jeweils ihr Heimspiel gewonnen. Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Neue Saison. Neue Halle. Neue Vorbereitung. Aber die gleiche Lust auf Handball.






















