Endlich ging es los! Nach Wochen des Laufens im Stadion, schweißtreibenden Einheiten und intensiver Vorbereitung durften wir endlich wieder um Punkte kämpfen. Dass der Saisonstart allerdings kein einfacher werden würde, war uns bereits im Vorfeld bewusst. Mit gerade einmal drei Wochen Hallentraining hatten wir gegenüber vielen anderen Mannschaften sicherlich einen Nachteil. Trotzdem gingen wir nach zwei gewonnenen Vorbereitungsturnieren mit viel Selbstvertrauen und der Überzeugung in die Partie gegen den VfB Bischofswerda, dass wir durchaus Siegchancen haben.
Doch bereits vor dem Anpfiff erreichten uns schlechte Nachrichten. Kurzfristig mussten wir auf drei Spielerinnen verzichten: Marie-Theres Mandel, Cindy Einenkel und Jenny Baumgarten standen uns nicht zur Verfügung. Dennoch wollten wir uns davon nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Nervöser Beginn auf beiden Seiten
Die ersten Minuten der neuen Saison waren auf beiden Seiten von Nervosität und Unsicherheit geprägt. Es dauerte fast drei Minuten, ehe der Ball erstmals den Weg ins Tor fand. Nach zehn Minuten stand es 4:4 und anschließend entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch. Tor für uns, Tor für Bischofswerda – keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Nach 20 Minuten stand es folgerichtig 9:9. In dieser Phase erhielten beide Mannschaften ihre ersten Zeitstrafen. Wir nutzten unsere Überzahl zunächst gut und konnten uns erstmals auf 11:9 absetzen. Für einen kurzen Moment hatten wir das Gefühl, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen. Doch eine Spielerin auf Seiten der Gastgeberinnen hatte etwas dagegen: Paula Simke erzielte drei Tore in Folge und drehte die Partie innerhalb kürzester Zeit. Aus unserem 11:9-Vorsprung wurde ein 11:12-Rückstand. Der Schlagabtausch ging weiter. Kurz vor der Halbzeit hatten wir in Überzahl noch den letzten Angriff. Diesen spielten wir allerdings zu undiszipliniert aus und verpassten damit die Chance, zumindest mit einem Unentschieden in die Kabine zu gehen. Stattdessen mussten wir mit einem 15:16-Rückstand in die Pause.
Nach der Pause fehlte das Zielwasser
Eigentlich waren die Voraussetzungen für die zweite Halbzeit gar nicht schlecht. Wir hatten spielerisch durchaus Lösungen gefunden und erspielten uns immer wieder gute Möglichkeiten. Dazu kamen Überzahlsituationen und sogar zwei Siebenmeter. Doch irgendwie hatten wir unser Zielwasser und unsere positiven Vibes in der Halbzeitpause vergessen. Wir trafen das Tor einfach nicht mehr.
Neun Minuten dauerte es, bis wir unser erstes Tor aus dem Spiel heraus beziehungsweise von der Linie erzielen konnten. Unsere dritte Siebenmeterschützin Denise übernahm Verantwortung und traf zum 16:20. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich jedoch bereits viele negative Gedanken in den Köpfen unserer Spieler festgesetzt. Das Problem war dabei nicht, dass wir uns keine Chancen erspielten. Ganz im Gegenteil: Wir kamen immer wieder zu freien Würfen und guten Möglichkeiten. Aber wir belohnten uns nicht dafür. Und genau das begann, sich auf unser Spiel auszuwirken. Mit jedem vergebenen Wurf wurde die Körpersprache negativer, die Unsicherheit größer und die Überzeugung, das Spiel noch drehen zu können, kleiner. Uns fehlte in dieser Phase die notwendige Fehlerresilienz. Statt einen vergebenen Wurf abzuhaken und die nächste Aktion mit voller Überzeugung anzugehen, schleppten wir die vorherige Situation gedanklich mit in die nächste Aktion. Das blieb nicht ohne Folgen. Was vorne begann, zog sich schließlich auch in unsere Abwehr. Dort fehlten plötzlich die letzten zehn Prozent Aggressivität, die notwendige Kommunikation und der Aktionismus. Wir reagierten nur noch, anstatt selbst wieder aktiv zu werden. Nach zwölf Minuten in der zweiten Halbzeit hatten wir uns so bereits einen Sechs-Tore-Rückstand eingehandelt. Diesen konnten wir trotz weiterer Bemühungen nicht mehr egalisieren.
Die Statistik zeigt das eigentliche Problem
Am Ende stand eine Niederlage auf der Anzeigetafel. Der Blick auf den Statistikzettel zeigt allerdings ziemlich deutlich, woran es an diesem Abend gelegen hat: 25 Fehlwürfe bei lediglich acht technischen Fehlern. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wir hatten 33 Angriffe ohne Torerfolg. Mit einer solchen Quote können wir gegen eine Mannschaft wie Bischofswerda kein Spiel gewinnen.
Dabei muss man aber auch festhalten, dass wir in der ersten Halbzeit – gemessen an unserer kurzen Hallentrainingszeit – ein gutes Spiel gezeigt haben. Wir erspielten uns unsere Tore teilweise sehr schön und waren Bischofswerda über weite Strecken ebenbürtig, phasenweise sogar das spielerisch bessere Team. Umso ärgerlicher ist es, dass wir nach der Pause für einige Minuten komplett den Faden verloren haben.
Auf Seiten der Gastgeberinnen ragten an diesem Abend vor allem Simke und Dybowski heraus. Beide erzielten zusammen 19 Treffer. Dazu kam eine Torhüterin Pischel, die unseren Angriff vor große Probleme stellte und ihren Kasten teilweise regelrecht vernagelte.
Für uns heißt es nun: Mund abputzen, Fehler analysieren und weitermachen. Die Saison ist lang und dieses Spiel hat uns vor allem gezeigt, woran wir arbeiten müssen. Wir wissen, dass wir spielerisch mithalten können. Jetzt müssen wir lernen, auch nach Fehlern und Rückschlägen positiv zu bleiben, die nächste Aktion anzunehmen und wieder mit voller Überzeugung ins Spiel zu gehen. Denn eines hat der Saisonauftakt ebenfalls gezeigt: Wir können es besser.
Danke an o.m.g.a.b für die Bilder.





























